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11.09.2010

Dienstleister fangen die Sonne ein

Die noch jungen Solarunternehmen brauchen flexible Logistiker mit internationalem Know-how.

Von Claudius Semmann
 
Die deutsche Solarindustrie produziert derzeit am Anschlag. Lieferengpässe, aber auch knappe Frachtkapazitäten haben das Supply Chain Management stärker in den Fokus gerückt. Für die Dienstleister hat dies Vor- und Nachteile. So bleibt das Outsourcingpotenzial der noch jungen Branche weiter groß. Doch der Druck auf die Preise für Transport- und Logistikdienstleistungen ist stark gestiegen.

„Die Anforderungen an die Logistikdienstleister bestehen hauptsächlich in der hohen Flexibilität hinsichtlich der zu steuernden Mengen und des Wachstums sowie der internationalen Aufstellung der Solarunternehmen“, sagt Jens Hornstein, Solarexperte bei Kerkhoff Consulting. Zudem sind in der gesamten Lieferkette taktgenaue Lieferungen erforderlich - vom Glaslieferanten in die Produktion bis hin zur Bandmontage auf der Baustelle. Der Logistikoutsourcing-Grad in der Branche ist laut Hornstein höher als zum Beispiel in der Elektroindustrie oder dem Maschinenbau. „Solarunternehmen sind moderner strukturiert. Sie wollen Kapital möglichst produktiv investieren, das heißt in Forschung und Entwicklung sowie in die Fertigung statt in Lagerhaltung und Logistik.“

Schwierige Herbstmonate
Dass in Sachen Logistik deshalb weiterhin Beratungsbedarf besteht, bestätigt auch Gunnar Mickeleit-Jung, Key Account Manager der Berliner Rieck Logistik- Gruppe. Die Solarindustrie produziert auf sehr hohem Niveau, und die Kapazitäten wurden in den vergangenen zwei Jahren erheblich ausgebaut. Die Frachtmengen könnten zwar noch zu fast 100 Prozent abgewickelt werden. Aber für die Herbstmonate erwartet der Manager „ernsthafte Auswirkungen“. Denn die Nachfrage bleibt allen Prognosen nach bis Jahresende ungebrochen. „Durchlaufzeiten und Termine werden sicherlich enger gesetzt sein. Schwierigkeiten können vor allem durch Mangel an Frachtraum auf bestimmten Relationen oder bei Lagerflächen auftreten“, teilt er gegenüber der DVZ mit.

Auf der einen Seite müssen höhere Bestände für kurze Zeit aufgebaut werden, um die Versorgung und Lieferfähigkeit aufrechtzuerhalten. Und andererseits sind die saisonalen Absatzschwankungen auszugleichen. „Oft sind keine oder nicht genügend Kapazitäten vorhanden, so dass wir als Dienstleister gefragt sind“, sagt Mickeleit-Jung. Dadurch entstehen gute Chancen, Logistikkontrakte abzuschließen. „Es ist aber auch deutlich spürbar, dass künftig in den Ausbau eigener Logistikanlagen investiert wird und Betreibermodelle in Augenschein genommen werden.“

Logistikkosten sind gestiegen

Durch die Wirtschaftskrise war es für die Solarindustrie sehr schwierig, an Frachtkapazitäten zu kommen. „Um Verträge einzuhalten, transportierten sie daher auch viele Sendungen per Luftfracht“, berichtet Joachim Marxer, der in der Schenker AG das Team für den Bereich Semicon/Solar leitet. Und da viele Bedarfe ausschließlich auf globaler Ebene beschafft werden können, kommt kein Unternehmen an Global Sourcing vorbei. Damit haben sich die Logistikkosten bei einigen deutlich erhöht. Auch bei den Finnen, die ihre Waren trotzdem rechtzeitig per Seefracht importieren konnten - wie die Phoenix Solar AG. Der Hersteller aus Sulzemoos, in der weltweiten Rangliste „Photovoltaik Sustainable Growth Index“ der Beratungsfirma PRTM auf Platz 8, bezieht einen großen Teil seiner Module aus Asien. „Aufgrund der knappen Kapazitäten sind die Containerraten binnen eineinhalb Jahren nahezu auf das Dreifache angestiegen“, berichtet der Teamleiter Logistik, Hilko Mellenthin. Gleichzeitig verschärfte sich der Preisdruck: Die Solarmodulpreise haben sich in etwa halbiert. Seit diesen Entwicklungen habe die Logistik in der Solarwirtschaft stark an Bedeutung gewonnen, sagt Mellenthin.

Der Hersteller arbeitet bei der Distribution länderspezifisch mit einem festen Logistikdienstleister zusammen. „Doch wir bewahren uns die Flexibilität, kurzfristig auf zwei, drei weitere Dienstleister zurückzugreifen, die Kapazitätsengpässe kompensieren können.“

Härtere Preisverhandlungen
Während Supply-Chain-Aufgaben bisher eher vernachlässigt wurden, drehen die Verlader nun auch in der Logistik an Kostenschrauben. Zudem ist die Solarwirtschaft abhängig von den Förderprogrammen der jeweiligen Absatzmärkte. Kürzungen führen hier zu schrumpfenden Margen, „weshalb ein erheblicher Druck auf die Preise für Transport- und Logistikdienstleistungen ausgeübt wird“, teilt das Logistikunternehmen Dachser mit. „In Preisverhandlungcn gehen die Auftraggeber inzwischen härter hinein“, unterstreicht Schenker-Logistiker Marxer. Allerdings werde für Qualität immer noch ein angemessener Preis gezahlt. So habe DB Schenker Logistics in dem Markt 2009 trotz Wirtschaftskrise zugelegt.
 
Das Oursourcingpotenzial schätzt Marxer über Transportaufgaben hinaus als groß ein. Hier nennt er Services wie Wartung, Ersatzteillogistik, Qualitätskontrolle und Produktionsversorgung. Für 2010 ist Marxer weiterhin optimistisch, was das Wachstum anbelangt. In Deutschland sei wegen der Marktsättigung damit zu rechnen, dass die Nachfrage in nächster Zeit zurückgehe. „Allerdings gibt es noch viele andere Märkte weltweit, die ein enormes Potenzial aufweisen.“

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